Redewendungen aus dem Mittelalter
 

Armutszeugnis

Wer arm war, durfte nicht heiraten  das vorhandene Eigentum wurde aufgeschrieben, und wenn es zu wenig war, um eine Familie zu ernähren, entstand daraus das Armutszeugnis.

 

Jemanden abblitzen lassen

Die besonders für gescheiterte Annäherungsversuche an das andere Geschlecht gebräuchliche Wendung entstammt einer Form der Ladehemmung von Vorderladern des späten 18. Jahr-hunderts, bei denen das Pulver häufig in einem Blitz auf der Gewehrpfanne verpuffte und sich kein Schuss löste. So wird der Begriff „Abblitzen“ noch heute mit „Wirkungslosigkeit“ gleichgesetzt.

 

Abgebrannt sein

Dieser Ausdruck der Mittellosigkeit ist seit dem 16. Jahrhundert geläufig, als die Menschen durch das Feuer nicht selten ihr gesamtes Hab und Gut verloren.

 

Einen Adamsapfel haben

Die Bezeichnung Adamsapfel für den hervortretenden Teil des Schildknorpels des Mannes taucht erstmals im 16. Jahrhundert auf und ist in einem Übersetzungsfehler der lateinischen Bibelausgabe (Vulgata) in der Geschichte von der Verführung Adams durch Eva begründet. Dort wurde aus dem „arbor mali“, dem Baum (der Erkenntnis) des Bösen, der „arbor malli“, der Baum des Apfels. Diesem Fehler ist es zu verdanken, dass die Bibelleser heute unter der verbotenen Frucht einen Apfel verstehen.

 

Adel verpflichtet

Wer adelig ist bzw. zu einer gehobenen Gesellschaftsschicht gehört, fühlt sich zu einer bestimmten Lebensweise bzw. zu einem bestimmten Ehrenkodex verpflichtet.

 

Jemanden zur Ader lassen

Der Aderlass, das Abzapfen von Blut, war im Mittelalter eine ärztliche Methode, um Blutkrankheiten zu heilen. Der Verlust des Blutes, eines lebensnotwendigen Stoffes, wird hier mit dem Verlust des ebenfalls wertvollen Geldes gleichgesetzt.

 

Keine gute Ader an jemandem lassen

In der mittelalterlichen Medizin galten die Adern als Sitz des Gemütes und des Charakters. In Personen, denen man keine gute Ader zusprach, floss demnach „böses Blut“, sie galten als Fieslinge.

 

Seines Amtes walten

Das Wort „Amt“ stammt von der alten Vorsilbe „amb-„, mit der diejenigen benannt wurden, die sich um ihren Herrn bewegten. „Ammann“ oder „Amtmann“ für Bürgermeister stammen daher.

 

Jemandem etwas anhängen

Im Mittelalter wurden Straftäter öffentlich an den Pranger gestellt. Der angebundene Täter stand dann am Pranger seine Zeit ab, wobei ihm ein Zettel mit seinen Missetaten „angehängt“ wurde.

 

Jemanden in den April schicken

Der Brauch, seine Nächsten am 1. April zu veralbern, geht wahrscheinlich auf ein keltisches Frühlingsfest zum Jahresbeginn am 1. April zurück. Als dieser Tag durch Papst Innozenz XII., der den Jahresanfang auf den 1.Januar legte, entwertet wurde, nutzte man den Termin (zu dem man sich vorher Geschenke machte) in vielen Ländern Europas zum Verulken (Scheingeschenke und unsinnige Bestellungen = Aprilscherze).

 

Am Arsch lecken

Anlehnung an das „Götz-Zitat“ aus dem Goethe-Drama „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“. Im Original lautet es: „Er aber, sag's ihm, er kann mich im Arsche lecken“.

 

Etwas ausbaden müssen

„Ausbaden“ nannte man früher das Ausleeren des Badewassers und das Säubern der schmutzigen Wanne. Diese Aufgabe musste jener erledigen, der als letztes badete  denn früher war es üblich, dass mehrere Personen hintereinander im kostbaren warmen Wasser badeten.

 

Ein Bäuerchen machen

Das „Bäuerchen“ ist die Koseform des Bauern, dessen früher ungeschliffene Tischmanieren hier als Bild verwendet wurde.

 

Lügen, dass sich die Balken biegen

Dieses Sinnbild ist seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Es beruht darauf, dass jede Lüge eine Last für den Lügenden darstellt. Spaßhaft wird hier also das Gewicht dieser Last betont, unter der sich sogar die Balken eines Hauses zu biegen drohen.

 

Durch die Bank

Der Ausdruck beschreibt eine Sitzbank, auf der die Menschen nebeneinander sitzen  ohne Vorurteile und Klassenunterschiede. So wurden eine zeitlang im Mittelalter bei einem Essen alle Gäste der Reihe nach bedient, nicht gemäß ihrer gesellschaftlichen Stellung.

 

Etwas auf die lange Bank schieben

Früher, nach der Einführung des römischen Rechts, wurden die Gerichtsakten nicht in Schränken, sondern in langen, bankähnlichen Truhen aufbewahrt. Dorthin wanderten all jene Unterlagen, die lange unerledigt blieben; nur was auf dem Tisch des Richters verblieb, wurde zügig bearbeitet.

 

Wissen, wo der Barthel den Most holt

Es wird vermutet, dass der Spruch aus der Gaunersprache kommt, in rotwelsch bedeutet „Barsel“ Brecheisen und „Moos“ Geld. Zusammengesetzt also, wie man mit dem Brecheisen Geld holt.

 

Da ist kein Beinbruch

Das Bild des Beinbruchs als schwerwiegende Verletzung rührt aus der Zeit, als das Pferd noch unverzichtbares Reit- und Lasttier war. Während andere Verletzungen der Rösser heilbar waren, bedeutete ein Beinbruch, dass das Tier getötet werden musste.

 

Beutelschneider

Nein, das ist nicht einer, der Beutel schneidet. Es ist ein Taschendieb, der mit einem scharfen Messer den Beutel aufschnitt und die Geldstücke auffing, die heraus fielen.

Als „Beutelschneider“ bezeichnet man auch Wucherer, also Verkäufer (auch im privaten Bereich), die stark überhöhte Preise verlangen. Er stammt aus einer Zeit, als man sein Geld noch in einem Lederbeutel aufbewahrte, den man am Gürtel festband. Diebe und Räuber schnitten einfach den ganzen Beutel ab und machten sich aus dem Staub.

 

Berserkerwut

Berserker waren wilde Gesellen mit unglaublicher Kampfeswut, die wir aus den norwegisch- isländischen Sagen kennen. Die Bezeichnung setzt sich zusammen aus den altnordischen Wörtern „ber“ (Bär) und „serkr“ (Hemd, Kleid).

 

Etwas wie saures Bier anbieten

Die Bierbrauer früherer Zeiten waren sich über die Bedeutung der Hefe nicht bewusst. Das Brauen von Bier war häufig ein Lotteriespiel, riesige Mengen Bier verdarben bei der Herstellung, es wurde sauer. Trotzdem versuchte man, das saure Bier anzubieten, was aber selten gelang, denn schon ein einfacher Geschmackstest vereitelte das Unterfangen.

 

Blaues Blut haben

Adelige und wohlhabende Menschen mussten früher im Gegensatz zum Grossteil der restlichen Bevölkerung keine Feld- oder Handwerksarbeit leisten. Sie wurden nicht braun. Durch die hellere Haut schimmerte das Blut besonders dunkel durch die Adern  und es entstand der Eindruck, die Adeligen besäßen dunkelblaues Blut.

 

Den Bogen heraushaben

Stammt wahrscheinlich aus der mittelalterlichen Handwerkssprache und bezieht sich auf die Herstellung gerader Gegenstände. Besonders gebogene Hölzer waren nur schwer „gerade zu biegen“.

Oder: Kanoniere hatten „den Bogen raus“ (Flugbogen des Geschosses), wenn sie ihr Ziel trafen.

 

Den Bogen überspannen

Die Redensart bezeichnet im wörtlichen Sinne die hölzerne Waffe, die bricht, wenn man sie zu weit spannt.

 

Nicht die Bohne

Die Bohne ist hier das Sinnbild für Unbedeutsamkeit und Wertlosigkeit.

 

Dumm wie Bohnenstroh

Bohnenstroh diente früher armen (und daher meist ungebildeten) Menschen als Füllmaterial für Matratzen. So wurde das Bohnenstroh bald auf die geistigen Fähigkeiten „einfacher“ Menschen übertragen.

 

Den Braten riechen

Der Spruch beruht auf der Tatsache, dass man einem zerlegten und gebratenen Tier nicht mehr ansehen kann, zu welcher Spezies es gehörte. Der Geruchssinn scheint dagegen noch zu bemerken, wenn es sich um minderwertiges Fleisch handelt.

 

Ein Brett vor dem Kopf haben

Störrischen Ochsen wurde ein Brett vor den Kopf gespannt, um ihr Gesichtsfeld einzuengen.

 

Brief und Siegel auf etwas geben

Mit dem Siegel wurden früher Urkunden, Dokumente und Briefe verschlossen um sicher zu stellen, dass nur der Adressat die Botschaft als. Erst durch das Siegel wurden wichtige Dokumente rechtsgültig.

 

Zu Buche schlagen

Mit dem „Buche“ ist das Geschäftsbuch der Kaufleute gemeint.

 

Der Gang nach Canossa

Um von dem über ihn verhängten Kirchenbann befreit zu werden, begab sich König Heinrich IV. im Jahr 1077 im Büßergewand zu Papst Gregor VII. in die italienische Stadt Canossa. Dieser „(Buß)gang nach Canossa“, bei dem ihn der Papst drei Tage im Schnee warten ließ (eine Demütigung des Königs) ist seitdem Sinnbild für persönliche Unterwerfung und Eingeständnis eigener Fehler.

 

Jemandem aufs Dach steigen

In der alten Volksgerichtsbarkeit (vor Einführung des römischen Rechts) war das Abdecken der Dächer von Geächteten ein häufig verwendetes Mittel der Bestrafung.

 

Jemandem den Daumen drücken

Nach einem altgermanischen Glauben war der Daumen das wichtigste Körperglied und zugleich ein dämonisches Wesen, das unheilvolle Kräfte in sich tragen sollte. Diese konnten durch das Festhalten des Daumens gebannt werden

 

Daumenschrauben anlegen

Mittelalterliche Foltermethode.

 

Mit jemandem unter einer Decke stecken

Nach dem mittelalterlichen Eherecht war die Ehe erst dann rechtskräftig, wenn die jungen Eheleute unter Zeugen ins Bett sprangen und die Decke über sich zogen.

 

Keinen Deut besser sein

Der „Deut“ war seit dem 16. Jahrhundert die kleinste holländische Münze mit einem sehr geringen Wert.

 

Mit jemandem Deutsch reden

In dieser Redewendung aus dem 15. Jhdt. wird das Wort deutsch noch in seiner ursprünglichen Bedeutung von „verständlich“ oder „volkstümlich“ benutzt. Zur Zeit Karls des Großen fand langsam eine Abgrenzung zu den romanischen Sprachen, speziell der lateinischen, statt, die als Gelehrtensprache galt und dem Volk unverständlich war.

 

Den richtigen Dreh raushaben

Der Ausdruck beschreibt den Trick eines Händlers, der seinen Käufer täuscht, indem er die mangelhafte Ware so geschickt dreht, dass immer nur die gute Seite zu sehen ist.

 

Jemandem die Ehre abschneiden

Die Redensart bezieht sich auf die altdeutsche Strafe, bei der einem Verleumder sein langes Gewand  abgeschnitten wurde.

 

Ein heißes Eisen anfassen

Beim mittelalterlichen Feuerurteil musste der Angeklagte ein heißes Eisen anfassen und dieses über eine festgelegte Distanz transportieren, um seine Unschuld zu beweisen.

 

Jemandem den Fehdehandschuh hinwerfen

Durch das Hinwerfen der Handschuhe wurde im Mittelalter eine Fehde angekündigt. „Den Fehdehandschuh aufnehmen“ bedeutet entsprechend die „Herausforderung annehmen“. Als Fehde bezeichnet man Feindseligkeiten zwischen Einzelpersonen, Sippen oder Familien zur Durchsetzung von Rechtsansprüchen.

 

Viel Feind, viel Ehr

Dieser Wahlspruch Georgs von Frundsberg, des Kriegsobersten Maximilians I., bedeutet heute, dass erfolgreiche Menschen immer Neider haben.

 

Die Felle davongeschwommen

Ein Bild aus dem Leben der Lohgerber: Da die Felle früher in einem fließenden Gewässer gewässert wurden, konnte es passieren, dass das eine oder andere Stück verloren ging.

 

Fersengeld geben

Das „Fersengeld“ ist ein seit 1250 belegter Begriff aus der Rechtssprache. Es war von einem Ehemann an seine Gattin zu entrichten, wenn er diese verlassen wollte.

 

Ins Fettnäpfchen treten

Die Heimat des Fettnäpfchens ist das Erzgebirge. Zwischen Tür und Ofen stand ein Töpfchen voll Fett zum Schmieren der nassen Stiefel. Trat jemand das Töpfchen aus Versehen um, konnte die Frau des Hauses sehr böse werden.

 

Für jemanden durchs Feuer gehen

Bei der Feuerprobe des Mittelalters, die Frauen und Unfreien vorbehalten war, musste der Beklagte nur mit einem Hemd bekleidet durch einen brennenden Stoß Holz gehen. Überstand der die Prozedur (das Gottesurteil) unbeschadet, erfolgte der Freispruch.

 

Jemanden auf die Folter spannen

Die Folterknechte des Mittelalters versuchten durch die Folter Geständnisse aus den Angeklagten herauszupressen.

 

Auf großem Fuß leben

Schuhspitze von Handspannenlänge, die auf Reichtum deutet.

 

Jemanden den Garaus machen

Der Begriff entwickelte sich aus dem nächtlichen Ausruf der Schankwirte (Gar aus = vollständig aus), mit dem die nächtliche Sperrstunde angekündigt wurde und die Gäste zum Austrinken aufforderte.

 

Hand vor dem Mund beim Gähnen

- verhinderte das Eindringen von bösen Geistern,

- soll bei Nacht verhindern, dass das Aufschimmern der weißen Zähne dem Feind die Bewacher verrät (wer hatte damals schon weiße Zähne),

- kann auch eine Höflichkeit gewesen sein, weil die Mundhygiene der damaligen Zeit nicht so ausgeprägt war und der Gegenüber durch Geruch belästigt werden konnte.

 

Darauf kannst du Gift nehmen

Der Ursprung dieser Wendung liegt wahrscheinlich in den Gottesurteilen des Mittelalters: Der Verurteilte musste z. B. ein vergiftetes Stück Brot essen und wurde freigesprochen, wenn er nach dem Verzehr noch am Leben blieb.

 

Etwas an die große Glocke hängen

Mit einer kleinen Glocke wurde die Bevölkerung zusammengerufen, um öffentliche Bekanntmachungen auszurufen. Für besonders wichtige Mitteilungen wurde dagegen die Kirchenglocke geläutet.

 

Den roten Hahn aufs Dach setzen

Der „rote Hahn“ Fjalar ist in der altnordischen Göttersage das Symbol des anbrechenden Lichts und der Götterdämmerung. Er wurde so zum Sinnbild für flackerndes Feuer.

 

Hand und Fuß haben

Im Mittelalter galt das Abschlagen der Füße und der Beine als eine der schwersten Strafen. Besonders die rechte Hand (zum Führen des Schwertes) und der linke Fuß (zum Besteigen des Pferdes) wurden von den Rittern in Ehren gehalten.

 

Mit Haut und Haar
Die Redensart stammt aus dem Mittelalter. Die Strafe an Haut und Haar, das heißt des Prügelns und Haarescherens, fand zur Abschreckung und zur Entehrung des Delinquenten vor allem öffentlich statt und wurde in der Regel bei kleineren Vergehen und bei straffällig gewordenen, schwangeren Frauen (z. B. Diebstahl) angewendet.
 

Jemandem das Handwerk legen

Im Mittelalter waren die Handwerker in Zünften zusammengeschlossen, die die Ausübung des jeweiligen Handwerks nur unter strengen Vorschriften zuließ. Wer gegen diese Regeln verstieß, wurde ausgeschlossen und durfte seiner Tätigkeit nicht mehr nachgehen, ihm wurde das Handwerk gelegt.

 

In Harnisch geraten

Ritter, die in „Harnisch“ waren, also ihren Brustpanzer angelegt hatten, waren zum Kampf bereit.

 

Jemanden unter die Haube bringen

Die Haube war eine früher übliche Kopfbedeckung der verheirateten Frauen.

 

Das Heft in der Hand haben

Mit „Heft“ ist hier der Griff eines Schwertes gemeint.

 

Sich etwas herausnehmen

Die Wendung bezieht sich auf die gemeinsame Mahlzeit, bei der das Essen in einem großen Topf serviert wurde. Derjenige, der sich ungebeten zuerst bedient und „sich etwas herausnimmt“, gilt als frech und ungehobelt.

 

Hinz und Kunz (Jedermann)

Diese abwertende Bezeichnung stammt aus dem Mittelalter, wo Hinz (Heinrich) und Kunz (Konrad) Allerweltsnamen waren.

 

Höflich und ritterlich 

haben ihren Ursprung im Mittelalter und bedeuten die aufmerksame und zuvorkommende Umgangsart am Hofe.

 

Jemandem den Hof machen

Die Redewendung stammt aus einer Zeit, in der das französische Hofleben als Vorbild der europäischen Königshäuser fungierte und es „in“ war, französisch zu sprechen und französische Gepflogenheiten anzunehmen. Daher ist diese Redewendung auch die wörtliche Übersetzung des französischen „faire la cour“.

 

Auf dem Holzweg sein

Wer sich im Wald verirrte, weil er dem Transportweg des Köhlers folge, war auf dem Holzweg.

 

Da ist Hopfen und Malz verloren

Die Redensart beschreibt einen gescheiterten Brauversuch von Bier. Die verdorbene Brühe musste weggeschüttet werden, der Hopfen und das Malz sind verloren.

 

Ausgehen wie das Hornberger Schießen

Ursprung unklar, aber vermutlich: Die Einwohner des Schwarzwalddorfes Hornberg probten den Empfang ihres Fürsten mit Böllerschüssen, beim Eintreffen des Fürsten aber war kein Pulver mehr da, so dass sie das Böllern durch lautes Brüllen nachahmen mussten.

 
Ein "Paar" Hosen
Gemeint sind damit die Beinlinge, die an Strapsen an der Unterhose befestigt waren. Auch wenn es sich heute um eine einzige Hose handelt, hat sich das "paar Hosen" bis heute erhalten.

Auf den Hund kommen
Adlige mussten im Mittelalter als Strafe für Hochverrat öffentlich einen Hund zum Marktplatz tragen - sie waren auf den Hund gekommen. Als früher Gefährte des Menschen wurde der Hund mit der Zeit zum räudigen Köter und sogar zum Schimpfwort (Hundsfott, Schweinehund, Sohn einer räudigen Hündin)
 

Vom Hundertsten ins Tausendste kommen

Die Wendung bezieht sich auf die Verwendung der Rechenbank (15. - 17. Jhdt.), bei der sich aus Versehen die Dezimalstellen verschieben konnten.

 

Etwas auf die hohe Kante legen 

Bei den Herrschaften wurden wertvolle Gegenstände und Geld auf den hölzernen Überbau über dem Bett (Baldachin) gelegt.

Oder:

Die zu einer Rolle in Papier eingerollten Münzen wurden hochkant gestellt, damit sie nicht wegrollen konnten.

 

Etwas auf dem Kerbholz haben

Zwei aufeinander passende Hölzer, in welche die Schulden des Käufers eingekerbt wurden, ersetzten bis ins 18. Jahrhundert das Schuldbuch. Eine Hälfte war beim Verkäufer, die andere war beim Käufer.

 

Mit Kind und Kegel

Das Wort „Kegel“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen und steht in dieser Paarformel für „uneheliches Kind“.

 

Jemanden über die Klinge springen lassen

Die Wendung beschreibt eine mittelalterliche Hinrichtung mit dem Schwert, bei der der abgetrennte Kopf nach dem Hieb tatsächlich „über die Klinge sprang“.

 

Auf heißen Kohlen sitzen

Das aufgeschichtete Holz des Köhlers durfte nicht verbrennen sondern nur verkohlen. In der kritischen Phase des Verkohlens saß der Köhler also auf heißen Kohlen.
 

Jemanden verkohlen

Köhler trieben oftmals derbe Scherze mit Besuchern und Verirrten, sie wurden verkohlt.

 

Jemandem einen Korb geben

In vielen Liedern und Erzählungen aus der Minnezeit wird beschrieben, wie die Burgfräuleins ihre Geliebten mit einem Korb zu sich hoch holten. Hatte dieser Korb keinen Boden, bedeutete dies eine „Abfuhr“ bzw. „sich einen Korb holen“.

 

In der Kreide stehen

Die Wendung basiert auf dem früher üblichen Brauch eines Schankwirts, die Schulden eines Gastes auf einer Schuldtafel zu vermerken.

 

Das geht auf keine Kuhhaut

Basiert angeblich auf der Vorstellung, dass der Teufel das Sündenregister eines Sterbenden auf eine Kuhhaut geschrieben hat. Denn daraus wurde Pergament, das übliche Schreibmaterial, hergestellt.

 

Für jemanden eine Lanze brechen

Im Mittelalter erwählten die Turnierritter vor den Wettkämpfen eine Dame ihres Herzens, der sie ihren Sieg widmeten. Für diese Dame “brachen sie dann ihre Lanze am Schild des Gegners“.

 

Jemanden über den Löffel barbieren

Jemanden in plumper Art und Weise betrügen. Dieser obskure Ausdruck verdankt seine Entstehung schlechter Barbiere, die in früheren Zeiten alten, zahnlosen Männern, deren Wangen zu sehr eingefallen waren, um sie zu rasieren, einen Löffel zum Auswölben in den Mund steckten.

 

Lunte riechen

Die Lunte (vom mittelhochdeutschen „lünden“ = brennen) war die Schnur, mit der früher die Geschützladung oder die Muskete entzündet wurde, indem man ein brennendes Holz daran hielt. Bei günstigem Wind konnte man am Geruch der glostenden Lunte den kampfbereiten Gegner oder den nächsten Schuss erahnen.

 

Maulaffen feilhalten

Die Redensart hat nichts mit einem Affen zu tun. Vielmehr handelt es sich um eine Übertragung des platt-deutschen „dat Mul aben halten“ (das Maul offen halten) ins Hoch-deutsche.

 

Jemanden ans Messer liefern

Das Messer ist hier das Schwert oder die Schneide der Guillotine, mit der der Henker seine Arbeit verrichtet.

 

Jemandem übel mitspielen

Im Mittelalter unterschied man nicht eindeutig zwischen Spiel und Kampf. Es gab zahlreiche Kampfspiele (Ritterturniere) bei denen man sich schwer verletzen konnte, wenn nicht gar mit dem Leben bezahlen konnte.

 

Jemandem Mores lehren

Das lateinische Wort „mores“ = Sitte, Anstand wurde in der Zeit des Humanismus (15. Jhdt) von Studenten für die deutsche Sprache entlehnt.

 

Etwas brennt auf den Nägeln

Im Mittelalter befestigten die Mönche im Winter eine kleine Wachskerze auf ihren Fingernägeln, um auch im Dunkeln zur Frühmesse im Gebetbuch lesen zu können.

 

Die Nagelprobe machen

Bei der Nagelprobe handelt es sich um einen alten Trinkbrauch: Um zu beweisen, dass man das Glas bis zum letzten Tröpfchen ausgetrunken hatte, drehte man es um und setzte den Rand auf den Daumennagel. Blieb dieser dabei trocken, war das Glas vollständig geleert worden.

 

Sich etwas hinter die Ohren schreiben

Der Ausdruck geht auf einen obskuren Rechtsbrauch zurück: Bei Grenzfestlegungen wurden Buben als Zeugen heran gezogen. Diese bekamen bei jedem Grenzstein eine saftige Ohrfeige, damit sie sich dessen Standort genau einprägten.

 

Etwas auf der Pfanne haben

Nicht die Bratpfanne diente als Bild dieser Wendung, sondern jene Pfanne von alten Gewehren, in die in kleinen Mengen das Zündpulver geschüttet wurde. Wer Pulver auf der Pfanne hatte war schussbereit.

 

Etwas von der Pike auf lernen

Die „Pike“ war eine Infanterielanze, die den Rekruten und jungen Soldaten vorbehalten war. Sie stand am Beginn jeder Militärlaufbahn, weshalb diese seit dem 18. Jahrhundert als „von der Pike auf dienen“ bezeichnet wurden. Mit der Zeit weitete sich die Wendung auch auf andere Berufssparten aus.

 

Jemanden auf den Plan rufen

Das Wort „Plan“ wird hier in der ursprünglichen Bedeutung „Kampfplatz, Arena“ benutzt. Wer dort erscheint, ist zum Kämpfen bereit.

 

Jemanden an den Pranger stellen

Wurde im Mittelalter ein Übeltäter „an den Pranger gestellt“, musste er, (durch ein Halseisen befestigt) in aller Öffentlichkeit an einer „Schandsäule“ stehen und sich von den Passanten beschimpfen lassen.

 

Als Prügelknabe herhalten

Der Prügelknabe, ein armer, eigens zu diesem Zweck angestellter Junge steckte bei adligen Familien früher die Schläge für die Schandtaten der jungen Edelknaben ein  denn diese durften nicht verprügelt werden.

 

Ein Quacksalber sein

Der Begriff des Quacksalbers setzt sich zusammen aus „quaken“ (laut schreien) und „Salber“ (Arzt). Gemeint waren ursprünglich die fahrenden Händler, die auf Jahrmärkten ihre selbst gemachten Heilsalben anpriesen.

 

Jemanden aufs Rad flechten, jemanden rädern

Bei dieser grausamen Hinrichtungsart wurden dem Verurteilten zu-nächst die Knochen gebrochen, damit man die Gliedmaßen anschließend zwischen die Speichen des Rades flechten konnte.

 

Sich die Radieschen von unten anschauen

Im 16. Jahrhundert kam das Radieschen als Gemüsepflanze aus Nordfrankreich nach Deutschland. Sein Name ist vom lateinischen „radix“ (Wurzel) abgeleitet. Die Wendung meint, dass jemand gestorben, tot ist. Oft wird sie auch in Verbindung mit einer Drohung gebraucht.

 

Aus der Reihe tanzen

Der Reigen ist ein Tanz aus dem Mittelalter, der paarweise, hintereinander in einer Reihe getanzt wurde. Wer diese Formation verließ, fiel unangenehm auf.

 

Ritter ohne Furcht und Tadel

(franz. = chevalier sans peur et sans reproche) lautete der Beiname des französischen Ritters Bayard.

 

Ritter von der traurigen Gestalt

Den „Ritter von der traurigen Gestalt“, so nennt Sancho Pansa seinen Herrn Don Quijote (1605), dem Titelhelden des Romans von Miguel de Cervantes Saaverdra.

 

Den Rubicon überschreiten

Der Ausdruck wurde sprichwörtlich durch Julius Cäsar, der 49 v. Chr. Mit seinen Truppen den Fluss Rubicon überquerte und damit den Bürgerkrieg entfesselte. Dabei soll er gesagt haben: „Alea jacta est!“ (Der Würfel ist gefallen!)

 

Jemanden in den Sack stecken

Der Ausdruck für die Überlegenheit gegenüber seinem Rivalen geht auf einen besonderen Ringkampf im 16. Jahrhundert zurück. Bei diesen scherzhaften Schaukämpfen war derjenige Sieger, der seinem Gegner als erster einen Sack überstülpte.

 

Salutieren

war im Mittelalter das Anheben des Visiers, um das Gesicht zu zeigen und als Freund erkannt zu werden.

 
Sabotage
Mit Holzpantinen (franz. Sabot) konnte man aus Rache an einem grausamen Herrn die Ernte zertrampeln, man betrieb Sabotage.
 

Seine Schäfchen ins Trockene bringen

Diese Wendung, die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts bekannt ist, meint: seinen Vorteil sichern. Sie geht wahrscheinlich zurück auf die hohe Anfälligkeit der jungen Lämmer für Krankheiten, da diese noch kein Wollkleid besitzen. Um den vorzubeugen, sollte die Herde immer auf trockenen Wiesen weiden bzw. vor Regen geschützt werden.

 

Licht nicht unter den Scheffel stellen = nicht so bescheiden sein.

Der umgedrehte Scheffel wurde über das Licht gestellt.

Deutsches Hohlmaß,             zwischen 30 und 300 Liter.

Scheffelmaß in Preußen:          54,962 Liter

Scheffelmaß in Bayern:          222,357 Liter

Scheffelmaß in Sachsen:        103,829 Liter

50 Liter als metrischer Scheffel

Scheffel war auch ein Ackermaß: Wie viel man mit einem Scheffel besäen kann. Scheffel bedeutet auch Eimer oder Bottich.

 

Etwas im Schilde führen

Die Schilde der mittelalterlichen Ritter waren mit deren Wappen versehen, so dass man anhand des Schildes, das ein Ritter mit führte, erkennen konnte, ob er gut oder böse, Freund oder Feind war.

 
Schund
Alles, was der Schinder, der mittelalterliche Tierkörperbeseitiger, nicht zu etwas Nützlichem verarbeiten konnte, wurde weggeworfen und bis auf den heuten Tag als Schund bezeichnet.
 

Schwein gehabt

Angeblich hat der schlechteste Ritter bei einem Turnier als Trostpreis ein Schwein bekommen, er hatte also (doch) noch Glück.

 

Den Spieß umdrehen, mit eigenen Waffen schlagen

Eine Redensart aus der Zeit, als es noch keine Feuerwaffen gab und der Spieß oder die Lanze die wichtigsten Waffen waren. Man entriss seinem Feind den Spieß, drehte ihn herum und richtete seine eigene Waffe gegen ihn.

 

Sich die Sporen verdienen

Wer im Mittelalter zum Ritter geschlagen wurde, bekam gleichzeitig ein paar Sporen geschenkt, die er sich vorher durch eine mutige Tag, die ihm Anerkennung verschaffte, verdienen musste.

 
Aus dem Stehgreif
Gesandte des Königs überbrachten dem Volk früher ihre Botschaften "aus dem Stegreif". Sie stellten sich also auf ihren Pferden mit Hilfe der Stegreife (Steigbügel) hin.
 

Jemandem einen Strich durch die Rechnung machen

Kaufleute und Wirte kennzeichneten früher eine Rechnung damit, dass sie sie durchstrichen. Wenn nun ein Kunde oder Gast eigenmächtig einen Strich durch die Rechnung machte, prellte er sie um ihre Einkünfte.

 

Tabula rasa machen

Der Begriff „Tabula rasa“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „glattgeschabte (leere) Tafel“. Er erklärt sich aus dem Umstand, dass die Römer auf Wachstäfelchen schrieben, deren Oberfläche später wieder glattgeschabt werden musste, wenn sie etwas „Neues anfangen“ wollten.

Das im 8. Jahrhundert in Mode gekommene Spiel „Backgammon“ hieß damals „Tabula“. Ziel des Spiels ist es, die eigenen Spielsteine noch vor dem Mitspieler vom Brett zu bekommen, also „reinen Tisch“ zu machen.

 

Die Tafel aufheben

Bei größeren Gesellschaften wurden früher die Tische, auf denen das Essen angerichtet wurde, nur provisorisch errichtet und nach dem Ende der Mahlzeit wieder abgebaut. Dabei legte man eine oder mehrere Platten auf Holzböcke, so dass die Tafel anschließend wieder leicht entfernt werden und von der Dienerschaft mitsamt den Essensresten „aufgehoben“ werden konnte. Mit dieser Methode war es auch möglich, mehrere Gänge, die zuvor in der Küche angerichtet wurden, zu servieren.

 

Jemanden auf frischer Tat ertappen, in flagranti erwischen

Die sprichwörtliche Redensart heißt im lateinischen Original „in flagranti crimine comprehens“ und stammt aus dem „Codex Iustinianus“ des 6. Jahrhunderts.

 

Jemanden reitet der Teufel

Der alte Volksglaube unterschied zwei Arten von Teufeln: Die „Einfahr-Teufel“, die von einem Körper Besitz ergriffen und den Menschen innerlich krank machen, sowie die „Aufhock-Geister“, die sich dem Menschen auf den Nacken setzen und ihm böse Gedanken ins Ohr flüstern.

 

Etwas unter den Tisch fallen lassen

In früheren Zeiten ließ man unverdauliche Speisereste (Knochen, Schalen von Muscheln etc.) für den Hund oder die Katze unter den Tisch fallen. Der Ausdruck hat sich dann im Laufe der Zeit für „unverdauliche Themen“ ausgeweitet, zumal bei einer Besprechung die Themenpapiere „auf dem Tisch“ liegen.

 

Kurz vor Torschluss

Im Mittelalter war es üblich, am Abend die Stadttore zu schließen. Wer später kam, musste vor der Stadt übernachten.

 

Türmen

Auf mittelalterlichen Burgen war der Turm der sicherste Ort und oft mit einer aushängbaren Brücke oder Zugbrücke mit dem Haupthaus verbunden. Wenn Burgtor, Mauern und der Innenhof vom Feind erobert war, flüchteten sich die Bewohner in den Turm, sie türmten.

 

Von Tuten und Blasen keine Ahnung haben

Diese Umschreibung des Lärminstruments, das nicht gespielt werden kann, bezieht sich wahrscheinlich auf die Nachtwächter, deren Hauptaufgabe das Tuten und Blasen war. Wer zu dieser einfachen, niederen Tätigkeit nicht eingesetzt werden konnte, der war völlig unnütz.

 

Unbescholten sein, einen guten Ruf haben

Mit einem sogenannten „Scheltbrief“, der mit dem jeweiligen Vorwurf öffentlich angeschlagen wurde, drückte man im Mittelalter jemandem gegenüber Abscheu und Verachtung aus.

 

Jemanden ungeschoren lassen, ungeschoren davon kommen

Der Ausdruck bezieht sich wahrscheinlich auf ein mittelalterliches Ritual, bei dem der Bader in der öffentlichen Badestube jedem Gast nach dem Bad das Haar und den Bart scheren musste (was bei nachlässigen Badern oft genug misslang). Aber auch der Zusammenhang mit der Schafschur ist möglich.

 

Sein Unwesen treiben

Seit dem 17. Jahrhundert galt das „Unwesen“ als ein schlimmes, böses Wesen, das, mit dem Teufel verwandt, vom Volk für Unglücke und Krankheiten verantwortlich gemacht wurde. Der Ausdruck wurde jedoch schnell abstrahiert und umschreibt heute allgemein ein wildes, zweifelhaftes Tun.

 

Hausen wie die Vandalen

Der Spruch bezieht sich auf den germanischen Volksstamm der Vandalen, der 455 n. Chr. Unter König Geiserich Rom plünderte und brandschatzte. Verständlicherweise waren die römischen Chroniken voll von grausamen und eindringlichen Beschreibungen dieses Überfalls. Französische Romanciers nahmen sich über 1.000 Jahre später dieses Themas an, so dass sich die Wendung „wie die Vandalen“ ebenso wie „Vandalismus“ in der Folge weit verbreiteten.

 

Verflixt und zugenäht

Diese Hüllformel eines waschechten Fluches entstand in einer Zeit, in der die Kirche zahlreiche Flüche verbot und auf den Index setzte. Das Volk fluchte aber nur allzu gern und entstellte einfach bekannte Fluch-Wörter zu euphemistischen Hülsen. So wurde aus „verflucht“ eben das sehr ähnlich klingende „verflixt“. Das „zugenäht“ bezieht sich auf den Zweck des obigen Scheinfluchs: Dieser entfuhr nämlich zunächst nur Männern, die mit einer Frau (mit der sie nicht verheiratet waren) ein Kind zeugten, und bedeutete: „Hätte ich mir meinen Hosenlatz nur vorher zugenäht!“

 

Jemanden verknacken

Das Wort „Verknacken“ stammt vom altgermanischen „knicken“, das soviel wie „entmachten“ bedeutet.

 

Wie vernagelt sein

Das „Vernageln“ bezieht sich auf ein Geschütz, in dessen Zündloch man einen Nagel geschlagen hat, um es für den Feind unbrauchbar zu machen.

 

Mit offenem Visier kämpfen

Bei den mittelalterlichen Turnierkämpfen schützten sich die Kämpfer mit dem heruntergelassenen Visier vor den Schlägen ihrer Gegner. Da sie dabei auch ihr Gesicht verbargen, wusste man häufig nicht, gegen wen man kämpfte und wusste nicht von eventuellen Stärken oder Schwächen.

Der heutige militärische Gruß mit Anlegen der Fingerspitzen an die Kopfbedeckung stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Früher war es das Anheben des Visiers, um sich dem Gegner zu erkennen zu geben (siehe auch Salutieren).

 

Jemanden nicht für voll nehmen

Die Wendung bezieht sich auf das Münzwesen. Dort wird eine Prägung „nicht für voll genommen“, wenn sie hinsichtlich Metall und Gewicht nicht vollwertig ist.

 

Seinen Vorteil wahren (suchen)

Verdiente Krieger durften sich nach der Eroberung einer Stadt oder nach einer Schlacht zunächst einen Extra-Anteil aus der Kriegsbeute sichern, einen sogenannten „Vor-Teil“. Erst danach wurde das Raubgut unter allen Kämpfern verteilt.

 

Die Wände haben Ohren

Die Wendung bezieht sich auf die berühmten Lauschkanäle, die Katharina von Medici (1519-1589) angeblich im Louvre einbauen ließ, um ihre protestantischen Gegner zu belauschen.

 

Jemandem nicht das Wasser reichen können

Im Mittelalter reichten die Hausangestellten ihren Herren ein Schüssel mit Wasser, in dem diese sich die Hände waschen konnten. Der Ausdruck besagt, dass jemand noch nicht einmal wert ist, diese Aufgabe zu erfüllen.

 

Mit Jemandem in die Wolle geraten

Die „Wolle“ wird in dieser Wendung als Kopfhaar des Menschen verstanden.

 

Jemandem die Würmer aus der Nase ziehen

In der alten Volksmedizin herrschte der Glaube, zahlreiche Krankheiten würden durch wurmförmige Dämonen verursacht. Aus diesem Grund behaupteten viele Quacksalber, die auf den Jahrmärkten ihre Tinkturen und Mittelchen anpriesen, sie könnten die „Gehirnwürmer“ durch die Nase nach draußen befördern.

 

Jemandem auf den Zahn fühlen

Um einen kranken Zahn zu erkennen klopften die Zahnärzte früher die Zähne ab. Das schmerverzerrte Gesicht des Patienten verriet dann die schadhafte Stelle. Auch beim Pferdekauf war es - und ist es teilweise heute noch - üblich, den Zustand des Tieres am Gebiss zu überprüfen.

 

Einen Zahn zulegen

Der Topf mit Essen hing an einer Kette über dem Feuer an einer Metallleiste mit Zähnen. Wenn der Topf mehr Hitze bekommen sollte, wurde ein Zahn zugelegt, d. h. der Topf wurde in der Metallleiste tiefer gehängt.

 

Die Zeche zahlen müssen

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Zeche“ war „Gesellschaft, Zunft“ und ist heute noch in der „Zeche“ der Bergmänner erhalten. Als Begriff für den Geldbetrag, den man dem Wirt schuldig ist, ist die „Zeche“ erst seit dem 15. Jahrhundert bekannt.

 

Seines Zeichens

Das „Zeichen“ steht hier für die früher üblichen Zunftzeichen.

 

Über das Ziel hinausschießen

Wie ein Schütze, der ein Ziel verfehlt und dessen Pfeil darüber hinaus schießt, hat auch im übertragenen Sinne jemand „den Bogen überspannt“ (bis er bricht), der sich zu sehr um etwas bemüht.